Das heutige Problem in der Hundehaltung liegt schlicht und einfach darin,dass zu viele Hundehalter dabei versagen, ihrem Hund verständlich und überzeugend klar zu machen, dass nicht er, sondern sie der Chef des Familienrudels sind und daher im Zweifelsfalle zu entscheiden haben, was das Rudel als Gesamtes oder die einzelnen Rudelmitglieder im Besonderen zu tun und zu lassen haben. Wir müssen uns schon damit abfinden, dass Wölfe und Hunde keine Demokraten sind - auch wenn das vielen Hundehaltern und -Trainern nicht in ihr Weltbild passt. Alpha- und Dominanzkonzepte müssen jedoch überdacht werden, wie die neuere Forschung zeigt.
Die Ordnung im Hunderudel
Fassen wir einaml kurz zusammen: Das Leben im Hunderudel verläuft in einer hierarchischen Ordnung. Das bedeutet, dass jedes Mitglied eine genau definierte Stellung hat. Es gibt einen weiblichen und einen männlichen Rudelboss, die anderen Rudelmitglieder stehen auf jeweils abgestuften Positionen darunter. Die Vorstellung, es gäbe nur ien männliches Leittier, ist mittlerweile dahingehend revidiert worden, dass es offenbar zwie getrennte Rangordnungen gibt. Und: Es hat den Anschein, dass in vielen Fällen die Hündin und nicht der Rüde bestimmt, wo es langgeht.
Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass man es nicht mit einer völlig eindeutig strukturierten Ordnung zu tun hat, sondern dass es oft auch zum Tausch von Positionen kommt, die dann wieder rückgängig gemacht werden.Leittiere räumen gelegentlich ihren Untergebenen Rechte ein, die eigentlich nur ihnen selbst zustünden, sie haben es nicht nötig, ständig den Chef heraushängen zu lassen- aber das können nur die wirklich Souveränen! Randordnung wird nicht darüber hergestellt, dass im Rudel permanent körperlich gekämpft wird- das wäre für die Gesamtheit des Rudels fatal, da es mit einer Schwächung einzelner Rudelmitglieder einherginge. Vieles läuft auf subtilen Wegen ab, ohne Einsatz von körperlicher Gewalt. Dennoch wird auch körperlich eingewirkt. Aber diese Einwirkung wird äußerst dosiert eingesetzt; kurz, knapp, aber heftig und in der Regel so eindrücklich, dass eine Auseinandersetzung genügt. Der Boss im Rudel ist keinesfalls per se das körperlich stärkste Tier, sondern er zeichnet sich durch geistige Überlegenheit, ruhige Autorität, erfolgreiches Handeln aus.
Bereits den Welpen werden von den Alttieren bewusst Grenzen gesetzt, sie müssen lernen, wo sie in der Hierarchie stehen und dass sie diese zu respektieren haben. Im Prozess des Aufwachsenes erlernen die jungen Hunde die Kommunikation unter Hunden. Ein Bestandteil dieser Kommunikation ist es, wie man in einer Situation die Überlegenhiet eines anderen Hundes erkennt, wie man sich einem solchen gegnüber verhält, wie man selber dominieren kann Ein Hund braucht ein Leben in einer für ihn klar ersichtlichen Rangordnung. Lebt er mit Menschen zusammen, sind diese sein Rudel. Gesteht der Mensch dem Hund eine über ihm angesiedelte Position zu, darf er sich nicht wundern, wenn sein Hund diese voll ausnutzt indem er sich z. B. mit seinen Zähnen dagegen wehrt, vom gemütlichen Fernsehhsessel vertrieben zu werden.
Einordnung schafft Sicherheit- für den Hund!
Der Hund ist als Rudeltier nicht nur daran gewöhnt, dass er sich in einer Hierarchie einordnen muss, in der klare Regeln und Verantwortlichkeiten bestehen, sonder er braucht diese auch. Es ist unser Job als Hundehalter sich vom ersten Tag an als Rudelführer verhalten und damit dem Hund wesentlichen Halt zu geben. Viele Hunde, die keine klare Einordnung in ihr Familienrudel erfahren, fühlen sich alles andere als wohl- ihnen fehlt die Sicherheit ihre Geschicke vertrauensvoll ganz in die Hände eines Rudelbosses legen zu können. Solche Hunde stehen häufig permanent unter Stress, mit nachteiligen Auswirkungen auf ihr gesamtes Verhalten. Nicht umsonst steht in der Therapie extrem ängstlicher Hunde in der Regel die Klarstellung der Beziehung zum Halter zunächst einmal im Vordergrund, denn oft zeigt sich, dass der Hund in einer alles andere als klar geregelten Beziehung in übergeordneter Position steht.
Was ist eigentlich "Dominanz"?
In der Hundeszene wird zur Zeit heftigst über Dominanzkonzepte gestritten. Das reicht von der Ansicht, so etwas wie einen dominant veranlagten Hund gäbe es gar nicht, weil sich Dominanz ja immer nur in der Beziehung zwischen zwei Individuen darstelle, bis hin zu Extrempositionen, die so weit gehen, dass man dem Hund nur dann Aufmerksamkeit schenken dürfe, wenn man mit ihm spazieren geht. Worauf ich hinaus will: in der Diskussion darüber, wer denn nun der Führer ist, ob es einen Alpha gibt oder nicht, woran man dominantes Verhalten erkennt, ob es überhaupt einen dominanten Hund gibt etc., geistern die abstrusesten Vorstellungen durch die Köpfe. Der gesunde Menschenverstand bleibt hier außen vor. Die Leidtragenden sind die Hunde, denn ihnen fehlt die Orientierung. Wir erhöhen sie Unwissenheit Tag für Tag in ihrer Position, so dass sie notwendigerweise als Chefs agieren und das wird dann mit großer Empörung quittiert: " so ein aggressiver Hund". Jetzt sind die Züchter gefragt, " die müssen endlich aggressionsfreie Hunde züchten". Der fehlgeleitete Hund wird entsorgt und wenn es dann noch eine rassespezifische Stiftung gibt, braucht man ja auch kein gar so schlechtes Gewissen zu haben, weil man ja zunächst seinen Hund nicht im Tierheim ablädt.
Die Anfangsstadien der schleichenden Machtübernahme des Hundes verlaufen nmeist so harmlos, dass den Besitzern nichts auffällt, oder sie das, was ihnen auffällt, als nicht weiter schlimm betrachten. Doch ehe sie sich versehen erobert sich der Hundimmer mehr Nischen und setzt seinem Menschen Verbote. Diese spricht er zunächst nur durch Knurren, dann durch Schnappen und schließlich durch Beißen aus. Die Besitzer sind vom ersten offensichtlich aggressiven Anzeichen ihres Hundes so überrascht, dass sie, teils aus Überrumpelung, teils aus Angst, instinktiv zurückweichen, womit der Hund für sich positiv gepunktet hat: Sein Verhalten war erfolgreich, also wird er es wieder probieren. Die wenigsten Hundebesitzer sind so reaktionsschnell und beherzt den Hund entweder sofort mit drohenden Blicken, tiefer, energischer Stimme an der Seite zu packen oder auf den Rücken zu werfen und dort niederzudrücken, bis sich der Hund ergibt. Genau diese Reaktion auf den aggressiven Versuch des Hundes würde jedoch häufig den letzten Versuch des Hundes bedeuten- er traut sich nie wieder.
Dominant veranlagte Hunde, insbesondere in der Pubertät und insbesondere Hündinnen, werden die Cheffrage jedoch auch trotz dieser Maßnahme noch häufiger stellen.
Über falsch verstandene Dominanzprobleme
So wichtig es ist, als Hundebesitzer die Ranordnung im Familienrudel stets zu beobachten und unter Kontrolle zu halten, so bedeutet dies jedoch nicht, in jedem Problem mit dem Hund gleich ein Dominanzproblem zu sehen. Nicht jeder Hund, der seine Besitzer anknurrt, tut dies um ihn zu dominieren. Häufig ist der Hund durch das Verhalten seines Besitzers verstört, verängstigt, fühlt sich in die Ecke gedrängt und knurrt, schnappt, beißt aus Abwehr heraus, weil er das Gefühl hat sich verteidigen zu müssen. In dieser Situation mit der körperlichen Unterwerfung des Hundes zu reagieren, weil man meint, man habe ein Dominanzproblem, macht die Sache nur schlimmer. Nicht jede Form des Ungehorsams bedeutet, dass ein Hund seinen Besitzer nicht als Boss respektiert. Zwar ist es sicherlich richtig, dass man einen jagenden Hunde wenn überhaupt nur qua Dominanz und außerst konsequenter Erziehung davon abbringen kann, doch generell gilt doch eher der Fall, dass der Jagdtrieb mit dem Hund durchgeht. Ein Hund, der aus Panik vor Autos wie wild an der Leine zerrt um von der Stzraße wegzukommen, stellt damit nicht primär das Recht seines Halters in Frage den Spaziergang bestimmen zu können, sonder er ist von seiner Angst so bestimmt, dass für ihn in dem Moment nur noch die Angst zählt und sonst gar nichts. Ein Hund, der auf Grund mangelnder Sozialisation mit anderen Hunden im Welpenalter ein gestörtes Verhältnis zu seinen Artgenossen entwickelt hat und diese nur noch "fressen" will, kann zwar nur durch die Dominanz seines Besitzers unter Kontrolle gebracht werden, doch muss seine Aggression gegenüber den Artgenossen nicht ein Infragestellen der Position des Besitzers bedeuten.
Einzelne Verhaltensweisen allein bestimmen nicht, wie der Hund seine Rangposition einschätzt, sondern die Gesamtheit seiner Verhaltensweisen. Schnellschüsse im Hinblick auf ein angebliches Dominanzproblem helfen ebenso wenig wie die Verleugnung eines solchen. Hier hilft häufig tatsächlich nur der geschulte Blick eines guten Hundeerziehers, der unterscheiden kann, ob es sich um ein Dominanzproblem handelt oder um etwas anderes. .
Wie kann man es nun richtig machen?
Einordnung im Welpenalter: jetzt heißt es, den Hund von Welpenbeinen an richtig einzuordnen- und nicht erst mit Bemühungen anzufangen, wenn einem der Kleine plötzlich auf dem Kopf herumtanzt oder gar schon die Zähne zeigt.
Das Verrückte an der ganzen Situation ist, dass es eigentlich so einfach ist einem Hund zu zeigen, dass er unter den erwachsenen Familienmitgliedern steht. Man braucht garnicht viel Zeit, alles was man braucht ist die Kenntnis darüber, wie sich ein Hundeboss in einem Rudel verhält- und das gilt es zu imitieren. Und das heißt: Hundebesitzer müssen Autorität ausüben wollen und müssen. Antiautoritäre Erziehung hat nichts mit besonderer Liebe zu tun, sondern ist wider die Natur des Hundes.
Nun meinen sehr viele Hundebesitzer, sie könnten Autorität über ihren Hund nur durch (körperliche) Härte erlangen. Doch das ist ein Irrglauben. Sie können damit dem Hund zwar Angst einjagen, doch das heißt noch lange nicht, dass er seinen Menschen als Autorität akzeptiert. Autorität gewinnt man durch einen kontrollierten Umgang mit dem Hund, durch das Setzen von Regeln und dem konsequenten Bestehen auf Einhaltung dieser Regeln, durch Vermittlung von Ruhe und Überlegenheit in jeder Lebenssituation, durch Vermittlung von Erfolgserlebnissen, die der Hund immer dann hat, wenn er in Kooperation mit seinem Menschen agiert.
Wichtig ist auch vorausschauendes Denken: Hundebesitzer müssen sich angewöhnen, die Zeichen des Hundes so schnell zu entschlüsseln, dass sie ihm immer einen Schritt voraus sind. Der Hund erlebt seinen Menschen so als einen Allwissenden, den man nicht austricksen kann...