Armutszeugnis für den Halter
Wer als Hundehalter die zahlen liest, wie viele Hunde pro Jahr weitervermittelt werden müssen, weil ihre Erstbesitzer sie nicht mehr halten können oder wollen, der muss erschrecken.
Und wir erfahren noch mehr: in der Regel werden die Hunde wegen " Verhaltensproblemen" abgegeben. Dies betrifft auch Hunde, die erfolgreich Hundesport betreiben, die eine BH haben, Agility oder Schutzdienst machen, etc...
Der Hund- ein nicht demokratisch gestimmtes Rudeltier
Das Problem in der Hundehaltung liegt schlicht und einfach darin, dass zu viele Hundehalter dabei versagen, ihrem Hund verständlich und überzeugend klar zu machen, dass nicht er, sondern sie der Chef des Familienrudels sind und daher im Zweifelsfalle zu entscheiden haben, was das Rudel als Gesamtes oder die einzelnen Rudelmitglieder im Besonderen zu tun und zu lassen haben.
Wir müssen uns schon damit abfinden, dass Wölfe und Hunde keine Demokraten sind - auch wenn das vielen Hundehaltern und -trainern nicht ihr Weltbild passt. Alpha- und Dominanzkonzepte müssen jedoch überdacht werden, wie die neuere Forschung zeigt.
Die Qualität eines wirklichen führungstier ist gerade daran abzulesen, dass es nicht immer auf seinen Anspruch an Führung, Entscheidung- und vor allem Erhalt, Besitz, Verteidigung der bestehenden Ressourcen besteht, sondern auch hier situationsabhängig agiert, wobei äußere Merkmale der Situation ebenso einfließen wie einfach die momentane Befindlichkeit des Cheftieres.
Leittier haben es nicht nötig, ständig den Chef raushängen zu lassen- aber das können nur die wirklich Souveränen!
Rangordnung wird nicht durch ständiges Kämpfen hergestellt. Vieles läuft auf subtilen Wegen ab, ohne Einsatz von körperlicher Gewalt. Dennoch wird auch körperlich eingewirkt. Aber diese Einwirkung wird äußerst dosiert eingesetzt; kurz, knapp, aber heftig und in der Regel so eindrücklich, dass eine Auseinandersetzung genügt. Der Boss im Rudel ist keinesfalls per se das körperlich stärkste Tier, sondern er zeichnet sich durch geistige Überlegenheit, ruhige Autorität, erfolgreiches Handeln aus..
Bereits den Welpen werden von den Alttieren bewusst Grenzen gesetzt, sie müssen lernen, wo sie in der Hierarchie stehen und dass sie diese zu respektieren haben. Im Prozess des Aufwachsens erlernen die jungen Hunde die Kommunikation unter Hunden. Ein Bestandteil dieser Kommunikation ist es, wie man in einer Situation die Überlegenheit eines anderen Hundes erkennt, wie man sich einem solchen gegenüber verhält, wie man selber dominieren kann. Dies sind auch einige der Gründe, weshalb es bei mir schon seit Jahren keine ausschließlichen Welpengruppen gibt, sondern die Welpen in die "normalen" Gruppen integriert werden. Weil ein Welpe nur so viele wichtige Dinge von seinen Artgenossen lernen kann....
Einordnung schafft Sicherheit
Der Hund ist als Rudeltier nicht nur daran gewöhnt, dass er sich in einer Hierarchie einordnen muss, in der klare Regeln und Verantwortlichkeiten bestehen, sondern er braucht diese auch.Es ist unser Job als Hundehalter sich vom ersten Tag an als Rudelführer zu verhalten und damit dem Hund wesentlichen Halt zu geben. Viele Hunde, die keine klare Einordnung in ihr Familienrudel erfahren, fühlen sich alles andere als wohl- ihnen fehlt die Sicherheit ihre Geschicke vertrauensvoll ganz in die Hände eines Rudelbosses legen zu können.Solche Hunde stehen häufig permanant unter Stress, mit nachteiligen Auswirkungen auf ihr gesamtes Verhalten. Nicht umsonst steht in der Therapie extrem ängstlicher Hunde in der Regel die Klarstellung der Beziehung zum Halter zunächst einmal im Vordergrund, denn oft zeigt sich, dass der Hund in einer alles andere als klar geregelten Beziehung in übergeordneter Position lebt.